1. Unter dem Grabmal und dem Mond – ein Vokalzyklus von Jialu Yang nach Gedichten von Dschalal ad-Din Muhammad Rumi
2. Vokalzyklus „Unter Grabmal und Mond“ von Jialu Yang auf Texte von Dschalal ad-Din Muhammad Rumi
Dieser Zyklus gleicht einer nächtlichen Odyssee der Seele, die zwischen den Schatten des Verlustes und dem silbernen Licht des Mondes gleitet. Schmerz und Leidenschaft sind hier Wellen, die an die stummen Steine des Grabmals schlagen; doch selbst durch Trauer und Verlust bricht Licht hindurch. Die Stimme, die im Dunkel als Echo widerhallt, wird zum Faden, der Trennung mit Ewigkeit verbindet: Kein Blick einer liebenden Seele kennt Schranken, selbst wenn der Leib schon vergangen ist.
Im Misstrauen gegenüber dem Sichtbaren dringt der Hörer Schritt für Schritt tiefer und begreift: Das wahre Wesen verbirgt sich stets hinter den äußeren Formen, und das Mondlicht kann das Vertraute rauben, um Raum für das Unsichtbare zu schaffen. Das Rad der Existenz versinkt im Meer der Transzendenz, wo jede Wunde nicht nur Schmerz, sondern ein Portal für das Licht darstellt.
Der Zyklus wird zu einer Reise durch einen jenseitigen Garten, in dem Trauer und Erleuchtung Seite an Seite stehen – und die verlorene Liebe sich neu gebiert und das Dunkel mit ihrem Glanz erhellt.
Text von Dschalal ad-Din Muhammad Rumi:
I. Und was ist mit meinen Augen?
Und was ist mit meinen Augen?
Und was ist mit meinem Herzen?
Und was ist mit meiner Leidenschaft?
Schmerz und Kummer.
II. Echo
Wenn du meine Stimme hörst,
die als Echo in deinem Grab widerhallt,
wirst du erkennen,
dass du nie meinem Blick entzogen warst.
III. Habt Acht!
Habt Acht! Habt Acht!
Haltet mich nicht für diese menschliche Gestalt.
Die Seele verbirgt sich nicht hinter Formen.
IV. Der Mond hat mich geraubt
Der Mond hat mich geraubt
und eilte zurück in den Himmel.
Ich blickte auf mich,
doch ich sah mich nicht mehr.
Das Schiff meines Seins
ist in jenem Meer
und in jenem Mond versunken.
Der Mond hat mich geraubt – der Mond.
V. Das Licht dringt in dich ein
Und was ist mit meinen Augen?
Haltet sie auf dem Weg.
Und was ist mit meiner Leidenschaft?
Lasst sie brennen.
Und was ist mit meinem Herzen?
Sag mir, was du darin bewahrst?
Schmerz und Kummer.
Bleib bei ihnen.
Die Wunde – das ist der Ort, wo das Licht in dich eintritt.
Made on
Tilda