Die Uraufführung des Zyklus “Beneath the Tomb and the Moon”, komponiert von der jungen Komponistin Jialu Yang auf englische Übersetzungen der Gedichte von Rumi, wurde zu einem kühnen Experiment in der zeitgenössischen akademischen Musik. Im Mittelpunkt dieses Ereignisses stand die Sopranistin Anastasia Kradenova, deren Interpretationskunst maßgeblich das künstlerische Gesamtbild prägte.
Die Sopranpartie in diesem Zyklus erfordert große Freiheit, Flexibilität und Hingabe. Yangs Musik ist reich an ungewöhnlichen Klangfarben, feinen dynamischen Abstufungen und extremen Registerwechseln. Hier gibt es keine gewohnte Melodie – die Gesangslinie löst sich auf zwischen Flüstern, Aufschrei, Klagen und plötzlichen Ausbrüchen von reinem Klang. Anastasia Kradenova, deren Stimme rein, flexibel und farbenreich ist, spürte jede poetische Zeile intensiv nach und verwandelte Rumis Worte in eine fast metaphysische Klangwirklichkeit.
Die Arbeit mit dem Orchester unter der Leitung von Yuri Taguchi war konzentriert; das Ensemble schuf eine flexible, sinnliche Partitur und unterstützte die Solistin in den offensten Momenten.
Anastasia Kradenova erschien nicht nur als Interpretin, sondern als Mitautorin der Aussage: Gerade ihre Stimme verlieh Rumis Zeilen Atem und moderne Individualität. Diese Erfahrung ist ein Beispiel für mutige künstlerische Suche und einen Dialog zwischen Zeit, Kultur und der menschlichen Seele.